Hindernisse bestehen im Kopf – Als Tetraspastiker beim Obstacle Course Racing

Johannes „Johnny“ Grasser ist Tetraspastiker. Aufgrund einer Fehlsteuerung des Zentralnervensystems ist die Muskelspannung seines Körpers viel zu hoch. Damit sind koordinierte, mehrdimensionale Bewegungen für ihn unwahrscheinlich schwierig. Laufen ohne Hilfe oder die Bewegung der Arme im vollem Umfang ist für Johnny nicht möglich.

Trotzdem sucht der Sportwissenschaftler ständig neue sportliche Herausforderungen. Bei seinem letzten Projekt durften wir ihn begleiten: Gemeinsam mit einem Helferteam ist Johnny bei den Mud Masters Ende September 2020 sein ersten Obstacle Race gelaufen – über 16 Kilometer! Begleitet wurde er dabei unter anderem von Stefan Biedermann, der den Lauf für uns zusammenfasst:

Der Veranstalter hat für uns Großartiges bereitgestellt. Wir konnten nicht nur mit dem Auto bis zum Start-/Zielbereich fahren, wir haben dort sogar ein eigenes Zelt mit Tischen und Stühlen bekommen. Wir hatten direkt dahinter eigene Toiletten.

BEHINDERUNG IST EINE BAUSTELLE AUF DER AUTOBAHN,
ABER KEIN STOPPSCHILD FÜR DEN SPORT

Johannes “Johnny” Grasser

Außerdem bekamen wir Streckenkarten und – Rob. Rob ist die ganze Zeit auf einem dieser Pickup-Quads neben uns hergefahren und hatte warme Kleidung, unser Equipment und Verpflegung dabei.

Um 12:50h wurden wir im Startbereich durch die DJs und „Anheizer“ wärmstens empfangen und Johnny wurde den anderen Teilnehmern vorgestellt. In einer eigenen Startwelle ging es dann für uns auf die Strecke. Super viele Teilnehmer feuerten uns an und beklatschten Johnny während sie uns überholten.

Wie geplant wechselten wir immer zwischen „An Händen selber laufen“ und „Getragen werden“. Allerdings mussten wir diesbezüglich unsere Taktik von 500m laufen und 1,5km getragen werden ändern, da wir die Distanzen an die Wasserhindernisse anpassen mussten. Der Größte „Feind“, das größte Hindernis für Johnny war tatsächlich die Kälte. Weil sich seine Muskeln, insbesondere sein Rücken, dann noch mehr zusammenziehen als eh schon. Also musste er nach jedem Wasserhindernis auf jeden Fall laufen, um nicht völlig auszukühlen und zu verkrampfen. Aber mit einer Menge guter Laune und spontanen Plänen an den Hindernissen, gepaart mit meiner langjährigen OCR-Erfahrung, konnten wir jedes Hindernis bewältigen.

Begleitet wurden wir von einem Kamerateam von Pro7 (Galileo) und Rob von Mud Masters, der uns dauerhaft supportet und dafür gesorgt hat, dass wir immer eine eigene Lane bekamen. Außerdem sorgte Rob dafür, dass wir die Hindernisse frei beklettern konnten. Denn z.B. an den Monkey Bars war es notwendig, dass zwei von uns Johnnys Arme von oben immer an die nächste Bar platzierten.

Immer wieder erhielten wir viel Zuspruch von Teilnehmern, wie es tatsächlich ja beim OCR üblich ist, viele wollten uns helfen und unterstützen. Auch alle Volunteers, Rettungsschwimmer und Hindernisverantwortliche haben uns unterstützt, wo sie nur konnten.

Schlussendlich konnten wir als Letzte auf der Strecke nach knapp über 5 Stunden die Ziellinie überschreiten und einen überglücklichen Johnny an die Zielglocke heben.

Ich habe im Nachhinein noch mit ihm gesprochen. Er ist immer noch geflashed und hat auf jeden Fall Bock, einen weiteren OCR anzugehen. Auch sein gesamtes Team hat schon zugestimmt, den nächsten Lauf in Angriff zu nehmen. Tatsächlich kam während des Rennens schon eine Einladung für den Rockman Summer Run 2021 ins Haus geflattert. Danke dafür an Sven Schellhas.

Johnny hat eindrucksvoll gezeigt, dass sich viele Hindernisse mit der richtigen Einstellung überwinden lassen. Mit seiner „Geht nicht, gibt’s nicht“-Einstellung stellt er sich nicht nur sportlichen Herausforderungen, sondern inspiriert und motiviert jeden Tag Menschen dazu, unmöglich erscheinende Herausforderungen zu überwinden.

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